vika-goes-wildWas macht man, wenn man auf den Namen Viktoriya Yermolyeva getauft worden ist, und sich international einen Ruf in der Unterhaltungsmusik erarbeiten möchte? Man legt sich einen Künstlernamen zu, denn diesen bürgerlichen Namen kann sich kein Mensch merken, und so wurde aus Viktoriya VIKA GOES WILD oder kurz VK GOES WILD. Damit konnte Vika sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sich gleichzeitig zwei Identitäten verschaffen, einmal als international angesehene Pianistin, die an renommierten Musikschulen und Universitäten ausgebildet worden ist und zum anderen als Künstlerin, die seit 2006 unter dem Namen VIKA GOES WILD bekannte und weniger bekannte Songs aus dem Rock, Pop und Heavy Metal Genre eigeninterpretiert, um das lapidare Wörtchen covern zu umgehen.

Auch als VIKA GOES WILD spielte die Ukrainerin bereits Konzerte in der ganzen Welt und an ganz abgelegen Orten, was man dann auf You Tube nachschauen kann, von daher ist es schon etwas erstaunlich, dass sie es gerade nach Neunkirchen verschlug. Immerhin circa 100 Zuhörer konnte die Musikerin aus der Ukraine, die inzwischen in Frankfurt am Main lebt, an diesem Samstag Abend für sich begeistern, die Stummsche Reithalle war damit zwar nicht ausverkauft, aber die vorgesehenen Sitzmöbel waren wirklich bis auf den letzten Platz belegt, insgesamt hatte das ganze Konzert einen Hauch von Wohnzimmerkonzert, die Musikerin und das Publikum waren eng beisammen, der Backstagebereich befand sich hinter einem kleinen Raumteiler und aufgrund der reduzierten Lautstärke konnte man wirklich jede Kleinigkeit hören, man traute sich kaum zu atmen, wurde umgekehrt aber auch direkt beim ersten Song in den Bann gezogen. Wirklich eine ganz spezielle Atmosphäre.

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Der erste Song sollte direkt ein Klassiker sein, „Master Of Puppets" von METALLICA, den ich zuerst gar nicht erkannt hatte, was gegen mich, aber für die Künstlerin sprechen sollte, die generell nicht eins zu eins nur nachspielt, sondern mit viel Liebe zum Detail versucht den Stücken eine eigene Note zu geben. Manchmal fragte man sich wirklich, ob Vika irgendwo eine geheime dritte Hand hat. Das fiel insbesondere bei den komplexeren Songs auf wie später bei „Toxicity" von SYSTEM OF A DOWN oder den Songs von A PERFECT CIRCLE und NINE INCH NAILS, die sie interpretierte.

Mit „Stone" schaffte immerhin auch ein eigener Song den Weg ins Repertoire, ohne Übertreibung eines der Highlights des Abends, weil das recht lange Stück eine schöne Dynamik besitzt und zwischen laut und leise, zwischen schnell und langsam pendelte. Insgesamt hatte Vika ein gut 100-minütiges Set zusammengestellt, das einen guten Querschnitt ihres Schaffens bot, und zudem eine gewisse Aktualität aufwies. Mit „Space Oddity" von DAVID BOWIE und „Ace Of Spades" von MOTÖRHEAD hatte sie Lieder dabei von Künstlern, denen man seit kurzem ein R.I.P. widmen muss, auch Pete Steele von TYPE O NEGATIVE („Love You To Death") weilt nicht mehr unter den Lebenden, von einem Freddie Mercury („Who Wants To Live Forever", „Bohemian Rhapsody" (ganz großartig!)) ganz zu schweigen. Man hätte wirklich gerne noch mehr gehört. Zum Beispiel „Corporal Jigsore Quandary" von CARCASS, „New Born" von MUSE oder das erhabene "Fear Of The Dark" von IRON MAIDEN, verzichtbar wirkte lediglich „Nothing Else Matters" (METALLICA), weil sie hier doch sehr nahe am Original blieb.
Für mich persönlich waren trotzdem die etwas ruhigeren Songs die Highlights, „Wish You Were Here" von PINK FLOYD zum Beispiel, einfach eine immer wieder wunderbare Melodie oder das meisterhafte Epos „Stairway To Heaven" von LED ZEPPELIN, das man sich in dieser Variante auf jeder Beerdigung vorstellen könnte. Passenderweise wurde dieses direkt nach „Highway To Hell" (AC/DC) gespielt, bei einem solchen Gassenhauer hätte man sich sogar vorstellen können, dass die Zuhörer den Textteil übernehmen. War aber nicht der Fall.

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Spätestens seit TORI AMOS „Raining Blood" von SLAYER Anfang der 2000er gecovert hat, ist es keine Sensation mehr, wenn Pianistinnen Metalsongs covern, VIKA GOES WILD geht dabei noch einen Schritt weiter und das sollte man sich als aufgeschlossener Musikhörer durchaus einmal antun, um sich selber eine Meinung bilden zu können. Zudem machte die Musikerin einen symphatischen Eindruck, verbeugte sich wirklich nach jedem gespielten Song vor ihren Publikum, hätte aber gerne noch etwas redseliger sein können, mehr als „the next song is" kam ihr kaum über die Lippen. Der deutsche Musiker JORIS hatte letztes Jahr ein Album mit dem Titel „Hoffnungslos Hoffnungsvoll" veröffentlicht, auf Vika passt in Anlehnung daran ganz gut die Beschreibung „Extrovertiert Introvertiert". Nur ihr Alter kann ich nicht so ganz glauben, sie wirkt hinter dem Piano zierlich, süß, irgendwie bescheiden wie ein junges Mädchen und soll wirklich schon weit in den Dreißigern sein?

Hatte ich in den letzten Jahren Musikgrößen wie JOE BONAMASSA oder DREAM THEATER um mein persönliches Konzertjahr zu eröffnen, sollte dieses Jahr VIKA GOES WILD diese Ehre in einem ganz beschaulichen Rahmen zu Teil werden und ich sollte es nicht bereut haben. (Maik)

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Fotos: Jochen

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