20151122Deathcrusher Tour15Nicht allzu oft kommt es vor, dass ein größeres Festival so ziemlich alle Lieblingsbands eines Genres aufzeigt. Wenn dem aber so ist und dann auch noch vor der eigenen Haustür stattfindet, dann ist eigentlich Anwesenheitspflicht. Was soll man auch sonst an einem Sonntag machen, als sich fünfmal musikalisch in die Fresse hauen zu lassen? Wenn auch schon um 17:30 Uhr manche noch nicht vom Kaffeekränzchen zurück sind, so kann man doch fest damit rechnen, dass sich die Saarbrücker Garage im Laufe des Abends noch um einiges anfüllen wird.

HEROD
Die Newcomer aus Schweden waren kaum einem bekannt, so war auch das Interesse eher mäßig. Mit dem Debütalbum „They Were None" sprang der Vierer auf diese vielversprechende Tour auf, die allerdings auch genug spielerischen Freiraum ließ für HEROD. Mit Death Metal hat das Ganze eigentlich gar nix am Hut, hier wird eher im tiefgestimmten Djent-Bereich musiziert. Mit insgesamt 16 Saiten und dennoch ohne Bass groovten sich die Skandinavier durch ihr Debütalbum, das natürlich in den 20 Minuten Spielzeit nicht komplett untergebracht werden konnte. Für die wenigen Zuhörer war das auch gar nicht so schlimm, auch wenn es zum Ende doch einen gebührenden Applaus gab für die beherzte und intensive Vorführung. HEROD sollte man im Auge behalten, hier weiß man, dass Djent und Groove nicht nur mit einer von acht vorhandenen Saiten gespielt werden kann.

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VOIVOD
Auf diese Band freute ich mich mit am Meisten, hatte ich doch leider bisher nie die Gelegenheit gehabt, diese Formation live zu erleben. VOIVOD spielen ihren ganz eigenen Stil, keiner hat es bisher geschafft, ihren Stil nachzuahmen, oder man hat sich nicht getraut, denn hier wird alles umgesetzt, was einem in den Sinn kommt. Nicht zuletzt konnte das durch den Gitarristen Piggy realisiert werden, der leider vor zehn Jahren tragisch verstarb. Niemand hätte gedacht, dass dieses Genie ersetzt werden kann, doch Nachfolger Chewy lässt diese Zweifel nahezu verschwinden. Es geht sehr entspannt und freudig zu während des knapp 40minütigen Sets, man spielt sich energisch durch die Bandgeschichte, und auch wenn Thrash eine der Hauptstrukturen der Kanadier ausmacht, ist ihre experimentelle und futuristische Interpretation doch nicht jedermanns Sache. Ein sehr verstört wirkendes Publikum wird von den langjährigen Fans und natürlich auch von der Band überzeugt, dass VOIVOD einen ganz besonderen Platz einnehmen und sich redlich Applaus verdient haben. Sänger Snake nimmt die verhaltene Reaktion des Publikums zum Anlass, sich und die Band nicht allzu ernst zu nehmen und nutzt seine sympathische und unterhaltsame Art, die Leute auf seine Seite zu bringen, um das Eis zu brechen. Zugegeben lässt sich der VOIVOD Sound nicht allzu leicht verdauen, zumal wenn man mit der Diskographie der Truppe nicht allzu vertraut ist. Außerdem wollen die vier Musiker auch irgendwie nicht so ganz in das Billing passen, aber nicht nur mich freut es, dass auch mal ein solcher Exot mitmischen kann. Als starker Einfluss und Inspiration können VOIVOD auf jeden Fall für das Package dienen. Zum Ende war das Publikum auf ihrer Seite, und VOIVOD wurde mit jeder Menge Beifall belohnt. Als die Jungs später durch die Halle marschierten, blieben sie allerdings weiterhin eher unbeachtet. Sehr schade.

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Setlist VOIVOD:

Ripping Headaches
Tribal Convictions
The Unknown Knows
Psychic Vacuum
The Prow
Order Of The Blackguards
Forever Mountain
Voivod

NAPALM DEATH
Über die Institution aus Birmingham braucht man eigentlich nichts mehr zu schreiben. Die meisten Zuschauer kamen jetzt auch aus ihren Schlupflöchern und feierten die legendäre Band von Anfang bis Ende ab. Zum Glück kam Barney rechtzeitig für diesen Abend zurück von seinem ungeplanten Abstecher nach England, und so vermisste man nach wie vor nur einen Mann, der mittlerweile aber auch schon seit knapp einem Jahr fehlt: Mitch Harris bleibt aus privaten Gründen leider weiterhin der Band auf der Bühne fern, und sein Stellvertreter JB arbeitet sich weiter in seinen, wenn auch temporären, Job ein. Ein bestens gelaunter Barney Greenway beackerte wie gewohnt jeden Quadratzentimeter der Bühne und unterhielt während den Spielpausen in Englisch und Deutsch die „Freunde und Freundinnen" vor der Bühne durch seine hochsympathische und angenehme Art. Kein Wunder, dass diese Formation jedes Mal aufs Neue frenetisch abgefeiert wird, letztendlich natürlich auch durch ihre Setlist, die zwar stark zusammengekürzt wurde, aber dennoch jeden erhofften Klassiker beinhaltete. Der Sound war vor der Bühne gelinde gesagt etwas chaotisch gegenüber dem Gesamtsound, für den sich kein Geringerer als Simon Effemy verantwortlich zeigte, aber die Routine der Dauertourer macht auch das wett, und man bietet den Fans eine gewohnt hochkarätige Show mit sämtlichen Highlights, wobei Barney stimmlich immer wieder eine Schippe mehr auflegen kann und erstaunlich intensiv brüllt, auch nach einem strammen Monat dauerhaften Tourens. Respekt wo Respekt hingehört!

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Setlist NAPALM DEATH:

Apex Intro
Silence Is Deafening
When All Is Said And Done
Smash A Single Digit
Metaphorically Screw You
Scum
Social Sterility
Deceiver
How The Years Condemn
Suffer The Children
Strong Arm
You Suffer
Nazi Punks Fuck Off
Adversarial / Copulating Snakes

OBITUARY
Eine weitere Band, die keine Ansage mehr braucht, zusammen mit NAPALM DEATH hatte man sie schon auf dem Death Shall Rise Festival in Trier sehen können, und auch an diesem Abend lassen die Jungs aus Florida nichts anbrennen. Nachdem sie immer noch den größten Lob für ihre ersten Alben bekamen und auch damit ihre neue Livepräsenz begannen, beinhaltet das Set überwiegend die Hits dieser Meilensteine. Abgesehen von einigen technischen Problemen ließen sich die Death Metal Pioniere satte 50 Minuten lang von den Zuschauern abfeiern, aber ich muss sagen, dass ich die Combo schon einmal besser gesehen habe. Irgendwie war hier wohl die schon weit fortgeschrittene Tour zu spüren; immerhin sind fast alle beteiligten Bands im Deathcrusher-Bus keine jungen Hüpfer mehr, und so verwundert es einen auch nicht, wenn ein Auftritt während einer solchen Tournee mal nur die Routine darstellt und für viel Enthusiasmus und Vitalität kaum Luft ist. Dennoch ein souveräner Auftritt mit einem deftigen Sound, was will man mehr!?

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CARCASS
Die Headliner hüllten schon von Beginn an die Bühne in ihr bekanntes Bühnendeko mit verschiedensten medizinischen Werkzeugen, die auch während des Sets auf die gesamte Bühne projiziert wurde. Klinisch sah es aus in dem in strahlendem Weiß gehaltenen Hintergrund, ein guter Kontrast zur düsteren und bitterbösen Mucke der vier Metalveteranen, die einst ihr Medizinstudium als Anlass zur musikalischen Vertonung der teils befremdlichen Begriffe und Inhalte machten. Während Michael Amott bei der Reunion dankend ablehnte, ist Bill Steer begeisterter denn je dabei, obwohl man eher glaubte, dass er seine musikalische Zukunft in den ruhigeren Gefilden gesucht und gefunden hätte. Aber zum Glück kam es anders, und Steer blüht mit seiner ureigenen Gitarrenvirtuosität voll und ganz neben Sideman Ben Ash auf, huscht mit Schlaghose hippie-like wie gewohnt über die Bretter und begeistert sogar mit einem kaum zu erwartenden üblen Growlgesang, der sogar Jeffs fieses Organ fast in den Schatten stellt. Hier sind vier mehr als talentierte Musiker am Werk – nicht zu vergessen Daniel Wilding am Schlagzeug - , die unermüdlich ihre feine Kunst in Form von aggressivem und rasantem Geknüppel gepaart mit wunderschönen, oft zweistimmigen Melodien zelebrieren, die sogar zum Mitklatschen und Hüfteschwingen animieren. Auch wenn Jeff Walker sichtlich irgendwie angepisst erscheint, so lassen sich die Gedärmfanatiker nichts anmerken und bieten ein 70minütiges Set vom Anfang bis zum heutigen Stand ihrer Karriere, ohne große Pausen, ohne Schwächen, ohne Kompromisse. Auch CARCASS sehe ich heute zum ersten Mal live, und ich muss schon sagen, dass ich schwer beeindruckt bin von dieser Hochleistung, immerhin sind auch einige von ihnen schon sehr lange im harten Geschäft.

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Setlist CARCASS:

Unfit For Human Consumption
Buried Dreams
Incarnated Solvent Abuse
A Congealed Clot Of Blood / Cadaver Pouch Conveyor System
Noncompliance To Astm F899-12 Standard / This Mortal Coil / The Granulating Dark Satanic Mills
Captive Bolt Pistol
Exhume To Consume / Reek Of Putrefaction
Corporeal Jigsore Quandary
Mount Of Execution
Heartwork

Dieses vorweihnachtliche Geschenk hatte mindestens alles zu bieten, was man erwartet hat, hier ist bestimmt niemand enttäuscht oder unzufrieden heimgegangen, der Merchstand war ebenso immer gut besucht, es kam zu keinen großen Zwischenfällen, und die Geschehnisse der letzten Zeit konnten auch mal für einen Moment vergessen werden. Wie VOIVOD-Sänger Snake schon sagte – in diesen Tagen ist es wichtig, das Lächeln nicht zu vergessen. Das gelang an diesem Abend zumindest, hoffen wir auf weitere solche friedvolle und freudige Abende. (Jochen)

Fotos: Klaus / Jochen (Carcass)

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