vorbericht inflamesZuerst läuft alles ganz gut. Aber dann. Stau auf der A3 Offenbacher Kreuz. Aber gut, da ist ja fast immer Stau. Das geht vorbei. Dann Stau auf dem Taunusring. Und auch in der nächsten Straße. Und der nächsten. Und zwar nur dort. Nirgendwo sonst. Nachdem ich bereits eine Stunde vom Flughafen an im Schritttempo herumzockele gebe ich irgendwann entnervt auf, parke das Auto und gehe die restlichen anderthalb Kilometer zu Fuß. Und dreimal dürft ihr raten, wann sich der Stau ins Nichts aufgelöst hat. Genau.

Ist im Endeffekt dann aber nicht schlimm, da in der näheren Umgebung der Batschkapp sowieso alles zugeparkt ist. Als ich dann aber irgendwann klatschnass an der Batschkapp ankomme, ist es schon 20:15 Uhr, der Einlaß aber noch nicht abgeschlossen. Also nochmal warten. An der Abendkasse stellt sich dann heraus, dass es keinen Fotopass für mich gibt. Durch gutes Zureden und lieb gucken (und vermutlich auch Glück) gibt es dann am Ende aber doch noch einen.

Heute neu: Alle auf der Gästeliste müssen 5 € bezahlen. Auch die, die Karten bei einem Gewinnspiel gewonnen haben. Warum, wieso, weshalb hab‘ ich vor Verblüffung gar nicht gefragt. Als ich dann um 20:30 endlich in der Halle bin, sind BLACK TEMPLE schon fast fertig. Schade. Nach dem einen Song, den ich noch gesehen habe, zu urteilen, könnte mir das gefallen. Vor lauter Streß hat mein Körper dann auch noch seine Tage bekommen. (das war jetzt die Information, die ihr unbedingt haben wolltet, oder?). Paßt ja mal wieder alles.

IN FLAMES
Aber jetzt herrscht erstmal Vorfreude auf IN FLAMES. Da das Konzert in Nancy aufgrund der Anschläge in Paris ausgefallen ist, hatte ich mich schon damit abgefunden, IN FLAMES auf dieser Tour nicht zu sehen, obwohl ich sie ursprünglich gleich zweimal sehen wollte. Daß es mit der Akkreditierung wider Erwarten dann doch geklappt hat, macht mich dann doch fröhlich.

Mit einigen Minuten Verspätung betritt die Band die Bühne zu den Klängen von „Jester’s Door“. Gänsehautfeeling pur. Schon auf “Sounds Of A Playground Fading” habe ich den Song als Abschied von Jesper Strömbald verstanden, jetzt wird er zum Abschied eines anderen Bandmitglieds gespielt. Wie die meisten mittlerweile sicherlich mitbekommen haben, wird Daniel Svensson die Band im Anschluss an die Tour verlassen und spielt heute sein vorletztes Konzert mit den Schweden. „Mit Everything’s Gone“ gibt es zum Auftakt einen der wenigen Songs vom aktuellen Album „Siren Charms“. Bei „Alias“ und insbesondere „Darker Times“ hätte ich doch lieber im Publikum als im Fotograben gestanden. Könnt ihr denn nicht am Anfang ein paar doofe Lieder spielen? Achso, ja, nee, geht bei IN FLAMES schlecht…

Nach „Darker Times“ muß Sänger Anders Fridén jedoch feststellen, daß das zugegebenermaßen etwas hüftsteife Publikum leiser ist als seine beiden Kinder zu Hause. Die Antwort des Publikums ist ein Becher der Richtung Bühne fliegt. Anders nimmt das mit Humor und bittet darum, beim nächsten Mal dann aber bitte volle Bierbecher zu werfen, die Band hätte ja gerne auch was davon. Nach dem Rumgefrotzel gibt es aber auch noch eine ernste Ansage zu den Anschlägen von Paris, in der Anders kurz seine Sicht der Dinge erläutert. Daß ihm durchaus bewußt ist, daß überall auf der Welt Scheiße passiert, daß ihn Paris jedoch besonders getroffen habe, da es ein Anschlag auf uns, auf die Metalfamilie war. Das habe ihn sehr traurig gemacht. Aber: Wir werden und wir müssen weitermachen. Wir lassen uns das nicht nehmen! Diese Ansage bekommt mehr Applaus als alle Songankündigungen.

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Das war’s dann aber auch schon mit den ernsthaften Ansagen, für den Rest des Abends kann man sich darauf verlassen, mit dem anderstypischen Humor und großartigen Ansagen verwöhnt zu werden. Verwöhnt werden auch vor allem die älteren Fans was die Setlist angeht. Ich weiß gar nicht, wann ich „Food For The Gods“ z.B. zum letzten Mal live gehört habe… Zu diesem Song, der immerhin schon 18 Jahre auf dem Buckel hat (Kacke, jetzt fühle ich mich alt), fordert Anders von steifen Frankfurtern einen Circle Pit – und siehe da, es klappt sogar.

Anschließend wird uns noch erklärt, wie man schnell und einfach eine Band gründet. Man nehme: einen kleinen Raum, in den man Bier und Instrumente stellt, dazu gibt man ein paar Freunde – fertig! Außerdem amüsiert er sich köstlich über die eigene Bandgeschichte und erinnert an die IN FLAMES-Tour von 1996, die stolz mit „Rise Of Europe“ betitelt wurde, aber nur Gigs in Deutschland und einen in der Schweiz beinhaltete.

Nach „The Hive“ läßt der Sänger Drummer Daniel Svensson vom Publikum noch einmal feiern, denn immerhin ist heute die zweitletzte Chance, den Mann mit der Band zusammen zu sehen. Vom Publikum wird ausgiebig ein Drumsolo gefordert, doch Anders lehnt ab, denn „Drumsolos suck!“. Anders Fridén, habe ich dir je gesagt, daß ich dich liebe? Endlich mal einer, der meiner Meinung ist. Kein Mensch (außer vielleicht Drummern) braucht Drumsoli…

Zur Zugabe läßt sich die Band ziemlich lange bitten, haut dafür dann aber nur noch Kracher raus. Los geht es mit „Cloud Connected“. Bei „Where The Dead Ships Dwell“ wird es etwas strange, denn Anders Fridén meint „I hope you all wear your favourite Disco pants – because I want you to dance!“ Also schnell die Glitzerhose ausgepackt und einen flotten Discofox aufs Parkett gelegt… Zu „Paralyzed“ wünscht sich Anders einen „Crowdsurfing Mayhem“, aber die Frankfurter sind wieder einmal eher paralysiert und so sieht man nur wenige Crowdsurfer gen Bühne wandern. Tja, und wer den Crowdsurfing Mayhem vermasselt, der bekommt auch kein Drumsolo, egal wie lange man danach schreit (zum Glück!).

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Viel zu schnell sind knapp 2 Stunden IN FLAMES vorbei, trotz sehr schöner Setlist, die vor allem mit vielen alten Songs begeistert, gibt es doch noch einige Songs, die man auch gerne noch gehört hätte. Zu wünschen übrig ließ der Sound, der war stellenweise viel zu basslastig und wummernd und insbesondere Anders Fridén ging darin regelmäßig unter, war oft kaum oder gar nicht zu hören. Schade. IN FLAMES haben einen klaren Sound verdient.

Etwas gewöhnungsbedürftig war auch das Publikum. Zwar war die ausverkaufte Batsche gerammelt voll, aber Stimmung wollte selbst weiter vorne nicht so recht aufkommen. Insbesondere die weiblichen Besucher erweckten den Anschein, der Marke „Ich bin hier, damit ich sagen kann, daß ich auch mal auf ‘nem evil Metalkonzert war!“ anzugehören. Viel mehr als gelegentliches anerkennendes Kopfnicken kam von dieser Fraktion nicht. Überhaupt sah man kaum Headbanger, nur in der Mitte ging es ein wenig rund. Vielleicht liegt das aber auch alles einfach daran, daß viele der jüngeren Fans die älteren Songs überhaupt nicht kennen? Wer weiß. Vielleicht bin ich auch einfach von Auftritten wie z.B. auf dem Graspop, wo man vor lauter Crowdsurfern kaum noch die Band sieht, etwas verwöhnt, was Publikumsreaktionen angeht.

Aber egal. Im Großen und Ganzen ein sehr geniales Konzert, von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte. Ich bin froh, daß ich die Band auf dieser Tour doch noch sehen konnte. Etwas Wehmut ist aufgrund des Ausstiegs von Daniel Svensson auch dabei. Aber dann ist man natürlich auch gespannt, wer wohl der nächste Drummer werden wird. Und daran, daß Peter Iwers jetzt kurze Haare hat und damit auf einen Schlag um 20 Jahre gealtert wirkt, muß ich mich auch erst noch gewöhnen. Auf jeden Fall freue ich mich jetzt schon auf die nächste Tour bzw. das nächste Festival, den IN FLAMES sind live einfach immer stark. (Anne)

Setlist IN FLAMES:
Jester's Door
Everything's Gone
Alias
Darker Times
Siren Charms
Black & White
Pinball Map
Disconnected
Leeches
Like You Better Dead
Bullet Ride
Only for the Weak
Food for the Gods
Ordinary Story
Crawl Through Knives
Satellites and Astronauts
The Hive
Take This Life
----------------------------------
Cloud Connected
Where the Dead Ships Dwell
Deliver Us
Paralyzed
My Sweet Shadow


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