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live 20151107 0001Schon seit fast zwei Monaten machten POWERWOLF mit ihren Wolfsnächten immer mal wieder Europa unsicher, bis sie letztendlich wieder zurück in heimische Gefilde fanden, wo sie traditionell das letzte Konzert der Tour in der Saarbrücker Garage spielen. Die Tour lief ausgesprochen gut, die meisten Shows fanden vor ausverkauften Hallen statt und so wundert es nicht, wenn auch die Show zu Hause schon Wochen vorher ausverkauft ist. Mit dabei sind dieses Mal XANDRIA und ORDEN OGAN, auf manchen Konzerten der Tour waren auch noch zusätzlich CIVIL WAR.

XANDRIA
Als Opener fungieren XANDRIA, die offenbar nicht gerade wenige Fans mitgebracht haben. Die wievielte Sängerin Dianne van Giersbergen mittlerweile ist, habe ich schon gar nicht mehr mitbekommen. Als ich die Band zum letzten Mal gesehen habe, spielte sie noch in alter Formation. Schon seinerzeit konnte ich der Truppe nicht viel abgewinnen, aber mal sehen, was es heute gibt. Der Jubel bei den Fans ist jedenfalls groß, als die Band die Bühne betritt, die für die Vorbands räumlich doch sehr beengt ist. Dianne van Giersbergen (weder verwandt noch verschwägert mit Anneke) begeistert mit Totenkopfschulterpolstern und erinnert mich stimmlich an Tarja, entschwebt für meinen Geschmack aber in zu große Höhen und ihre Gestik wirkt oft künstlich und etwas überdreht. Handwerklich kann ich an der guten Frau jedoch nichts aussetzen. Bei der Songauswahl beschränkt sich die Band auf die letzten drei Jahre und von der gerade erschienenen EP „Fire & Ashes“ gibt es gleich zwei Songs zu hören. Für meinen Geschmack klingt aber alles zu gleich – wenn auch nicht schlecht. Doch die Fans sind äußerst begeistert, nach jedem Song gibt es XANDRIA-Sprechchöre und wenn Dianne van Giersbergen fordert „Jump!“, dann springt das ganze Publikum. Bevor „Valentine“ als letzter XANDRIA-Song der Tour angekündigt wird, bedankt sich die Sängerin noch bei den anderen Bands, der Crew und auch dem Publikum. Die Deutschen mit der niederländischen Sängerin kommen sehr sympathisch rüber, machen dem Großteil des Publikums Spaß – aber mein Ding ist das immer noch nicht.

Setlist XANDRIA:
Nightfall
Blood Of My Hands
Unembraced
Stardust
Voyage Of The Fallen
Cursed
Valentine

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ORDEN OGAN
Auch ORDEN OGAN werden begeistert empfangen, auch sie haben offenbar eine ordentliche Portion Fans eingepackt. Und spätestens beim obligatorischen „Prost, ihr Säcke!“ hat die Band das Publikum sowieso in der Hand. Dann wird auch noch die Fist Of Fate ausgepackt und die Zuschauer zum Mitsingen und Mit-Faust-in-die-Luft-recken animiert. Man hat jedoch den Eindruck, dass die Band doch nicht ganz so viele Fans wie XANDRIA hat. Aber auch ORDEN OGAN dürfen sich nach jedem Song über Sprechchöre freuen. So stellt auch Sänger Seeb fest, dass das Saarbrücker Publikum heuer 10mal besser ist als im Frühjahr bei HAMMERFALL, wo die Truppe auch schon als Vorband fungierte (gut, wahrscheinlich waren auch 10mal so viele Leute da…). Daß Saarbrücken von ORDEN OGAN mit dem Label „Am Arsch der Welt“ bedacht wird, um „Here At The End Of The World“ angemessen ankündigen zu können, ruft jedoch nicht nur Begeisterung hervor. Vorsicht, meine Herren! Trotzdem ist die Begeisterung groß, als Seeb ankündigt, daß die Band nach dem Auftritt am Merchstand nicht nur für Fotos und Interviews, sondern auch zum Knutschen zur Verfügung steht. Inwiefern von diesen Möglichkeiten Gebrauch gemacht wurde, darüber kann ich jedoch leider nichts sagen (wo ist die Klatschpresse, wenn man sie mal braucht?). Vom Unterhaltungsfaktor waren ORDEN OGAN sehr gut, musikalisch bewegt sich die Band auch weiterhin irgendwo bei „nicht schlecht, aber auch nichts Besonderes“. Immerhin war der Sound für Garagenverhältnisse ganz ok. Aber obwohl ich die Band jetzt schon mehrfach live gesehen habe, konnte mich noch kein Auftritt dazu verleiten, mir auch mal eine CD der Band zu besorgen.

Setlist ORDEN OGAN:
Orden Ogan (Intro)
F.E.V.E.R.
Deaf Among The Blind
We Are Pirates
To The End
Lords Of The Flies
Here At The End Of The World
Sorrow Is Your Tale
The Things We Believe In

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POWERWOLF
Doch nun kommt ja endlich das Highlight des heutigen Abends. Der Wolf ist gekommen, um uns allen die Leviten – äh – die heilige Messe zu lesen. Daß die Band mittlerweile zu den ganz Großen gehört, erkennt man auch am schwarzen Vorhang mit Bandlogo, der die Bühne zu Beginn verhüllt (merke: eigener Vorhang --> große Band) und erst nach dem Intro „Lupus Daemonis“ fällt. Mit dem Titelsong „Blessed & Possessed“ steigt man gleich ins neue Album ein, schwenkt dann aber erstmal um auf „Amen & Attack“, wonach Sänger Attila Dorn bemerkt, daß es ja doch nirgendwo so schön ist wie zu Hause. Das nimmt man ihm sofort ab. Und in der Tat sind POWERWOLF-Konzerte in Saarbrücken doch immer anders als anderswo. Hier sind die Fans der ersten Stunde und heute sind auch zwei Fans da, die ihr 100. POWERWOLF-Konzert besuchen. Respekt, so bekloppt bin ja nicht mal ich (für mich war es „erst“ das 32. Konzert der Band…).

Wie immer begeistert Attila Dorn mit genial-komischen Ansagen, wie z.B. mit der Geschichte eines Crewmans, dessen Namen man aus nachvollziehbaren Gründen nicht nennen will, der von einer Wespe in seine edelsten Teile gestochen wurde, woraufhin sich das gute Stück entzündete, anschwoll „grrrrößerrr als Unterrarrm!!“ und operiert und mit 5 Stichen genäht werden mußte. Nach dieser langen Einführung ist ja jedem klar, welcher Song nun folgen muß: „Resurrection By Erection“, der natürlich dem unglücklichen Crewman gewidmet wird. An dieser Stelle möchten auch wir diesem aufopferungsvollen Menschen danken, der uns vor einer weiteren „Disserrrr Song is nurr fir Männerrr“-Ansage gerettet hat. Im Anschluss gibt es das mittlerweile schon typische Attilla-gegen-Falk-Mitsingspielchen, bei dem das Publikum so begeistert mitmacht, daß der Sänger dem Treiben irgendwann mit einem Machtwort ein Ende setzen muß („Nein, nicht nochmal!“). Das Drumsolo hätte ich dann jedoch (wie so ziemlich jedes Drumsolo) nicht gebraucht. Welcher Mensch kam mal auf die Idee, daß sowas toll ist?

Zum Ausgleich gibt es wenig später aber mit „Let There Be Night“ meinen Favoriten des neuen Albums, was mich dann doch wieder versöhnlich stimmt. Auch wenn „Falk mehr Körrrperrrrspannung brrraucht“. Nach „We Drink Your Blood“ setzt das Publikum zu Falk-Maria-Schlegel-Sprechchören an. Das ist nichts Neues auf einem POWERWOLF-Konzert, der erste Frontkeyboarder der Welt erfreut sich großer Beliebtheit. Doch in der Heimat fühlt man sich offensichtlich der ganzen Band verpflichtet und so folgen auch Attila-Sprechchöre. Die Gebrüder Greywolf fasst man zusammen und während wir uns noch fragen, wie zur Hölle man Roel schreien soll, wird hinter uns eifrig debattiert, ob Matthew und Charles nun Zwillinge sind oder nicht. Decken wir das Mäntelchen des journalistischen Insiderwissens darüber… Während der traditionellen Publikumssegnung „Lupus Dei“ bekommt Attilla einen Anfall von Höhenflug und behauptet doch glatt, einen Tonumfang von „mindestens 10 Oktaven“ zu haben... Beweise!

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Die braucht das Publikum nicht, es kniet auch so vor der Band nieder. Leider nur in Teilen, da ist das Saarbrücker Publikum doch etwas hüftsteif. Natürlich läßt das Heimatpublikum die Band nicht ohne Zugabe gehen und bei der wird noch mal geklotzt, nicht gekleckert und passend zu den Songs „Sanctified With Dynamite“ und „Kreuzfeuer“ wird die Bühne kurzerhand in Flammen gesetzt. Und am Ende der Tour läßt es sich Attila natürlich nicht nehmen, den anderen Bands, der Crew und - vor allen Dingen – den Fans zu danken, die für eine in weiten Teilen ausverkaufte Tour gesorgt haben.

Auch die Garage in Saarbrücken war schon eine zeitlang ausverkauft. Die Bühne ist zudem zu klein, als daß die Band ihr gesamtes Bühnenbild (das sich übrigens bei „Armata Strigoi“ komplett ändert) gar nicht aufbauen kann. Auch ist der Sound in der Garage ja bekanntermaßen meist nicht der beste (wobei ich sagen muß, dieses Mal war er echt ok), so daß man schon überlegen könnte, ob nicht die Saarlandhalle eine Option für die nächste Tour wäre. Oder denke ich da zu weit? Der Auftritt der Band an sich war mal wieder famos, wir haben über Attilas Ansagen herzlich gelacht und musikalisch hat die Band sowieso schon immer überzeugt. Einziger Wermutstropfen: Es werden einfach keine Songs mehr vom Debüt gespielt. Dabei haben Songs wie „Mr. Sinister“ oder „Kiss Of The Cobra King“ doch durchaus ihren Charme. Bitte, liebe Wölfe, spielt doch mal wieder was von „Return In Bloodred“! (Anne)

Setlist POWERWOLF:
Lupus Daemonis
Blessed & Possessed
Coleus Sanctus
Amen & Attack
Cardinal Sin
Army of the Night
Resurrection by Erection
Armata Strigoi
Drum Solo
Dead Boys Don't Cry
Let There Be Night
Werewolves of Armenia
In the Name of God (Deus Vult)
We Drink Your Blood
Lupus Dei
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Agnus Dei
Sanctified With Dynamite
Kreuzfeuer
All We Need Is Blood
Wolves Against the World





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